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Aus dem Archiv
Die Rugendas-Briefe:
Johann Moritz Rugendas’
erste Brasilien-Reise
1821-1825

Die Risse der Cap Trafalgar
Der erste preußische See-Atlas
 
marine niemeyer - seit 1992 -

email

500 Jahre Brasilien —
Stoßen Sie vor zu seinen Entdeckern

HUMBOLDT

mit  der  Feder

und

RUGENDAS

mit  dem  Bleistift

sind

die  beiden  Europäer,

die  Amerika

am  lebendigsten  beschrieben  haben

D. F. Sarmiento,
argentinischer Schriftsteller + Präsidient der Republik
als Zeitgenosse, zitiert nach Diener 1994

 

Ich  sollte  und  wollte

des  von  Columbus  neuentdeckten  Welttheils

Illustrator  sein,

wollte der Welt zeigen,
welche malerischen Schätze die Tropenwelt bietet,
da nur wenigen Organisationen gestattet ist,
der mühevollen Laufbahn zu folgen.

Ich fühlte mich dazu berufen,

der  Pilote  der  Kunst

zu sein auf einem Gebiete,
das Andere dann erschöpfend darstellen werden

Johann Moriz Rugendas
in seinem Résumé gegenüber Alexander von Humboldt,

zitiert nach Carl Albert Regnet in
Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule,
München 1871; übernommen in
Deutsches Biographisches Archiv, microfiche 1066, SS. 224-234.

 

Ergänzend aus gleicher Quelle:

„ ‚Herder schon‘ , sagt Rugendas in Notizen, die dem Verfasser vorliegen,
‚stellte die Forderung auf, die Welt mit dem Bleistift zu durchstreifen, –
ich nahm die Mahnung fast zu wörtlich‘. “

Letztere Passage übernahm Hyacinth Holland in der ADB nur teilwörtlich.

 

Arrangement , Aufbruch ,

Beschluß + Nachspiel einer Reise

 

Einer  Reise ?

DER  REISE ,DES  BRASILIANERS

und  Süd–Amerika–Reisenden !

 

JOHANN  MORITZ  RUGENDAS’

erste  Fahrt

( 1821 – 1825 )

in  Briefen  des  Vaters  und  eigenen.

Mit  den  Forschungsstand  vertiefenden  Details  zur
Langsdorff-Expedition
und  zur  Rückreise  selbst.

Von  inhaltlich  reichster , menschlich  schönster  Aussage  indes

JOHANN  MORIZ’

„ Im  Haven  von  Gessendorf  ( recte  Gestendorf )
½  Stunde  vor  Bremerlehe  ( Bremerhaven-Lehe )  d.  10. Dec: 1821 “

wohin  sich  während  der  Ausfahrt  das  Schiff
bei  anhaltend  schwersten  Winterstürmen  gerettet  hatte.

Mit  Provenienz  Adalbert  Freiherr  von  Lanna
( 1839 – 1909 )
und  nach  90  Jahren  ganz  jungfräulich  auf  dem  Markt

 

Rugendas, Johann Lorenz II (1775 – Augsburg 1826) + Johann Moritz Rugendas (Augsburg 1802 – Weilheim/Teck 1858). Block von sämtlichs unterschriebenen

7  eigenhändigen  Briefen  +  Schriftstücken  von  1821-1825
zuzgl.  1  späteren  aus  Valparaiso  von  1840.

8° bis Fol. Insgesamt 10½ Seiten. Im Lanna’schen vorgedruckten („Druck der Bohemia.“) und hs. ausgefüllten Autographen-Umschlag mit J. W. Zanders als typogr. + großem Lilien-Wappen-Wzz. als Abth. X, No. 62.

Provenienz

Adalbert  Frhr.  von  Lanna,  Prag

Literatur

Pablo Diener + Maria de Fátima Costa
A América de Rugendas / Obras e Documentos (hier 1-2 + 4-8)

São Paulo 1999, SS. 34-36 + 40-47 mit 3 Abbildungen.

  1. Die Bewerbung (August 1821)
  2. Die Verabredung des Contractes (September 1821)
  3. Der Erlebnisbrief vom Sturm-Zwischenaufenthalt in Bremerhaven (Dezember 1821)
  4. Der Bericht über Ergehen und baldige Heimkehr aus Brasilien (August 1824)
  5. Promemoria für die Zukunft Johann Moritz Rugendas’ (März 1825)
  6. Ankündigung der Rückkehr bis August 1825 (Mai 1825)
  7. Das Nachspiel „in Sachen von Langsdorf“ (Dezember 1825)
  8. Ein Beleg-Gruß von der zweiten Reise aus Valpareiso (September 1840)

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ging von dem gute drei Reisemonate entfernten Südamerika, namentlich Brasilien, eine Sogwirkung aus, der besonders auch deutsche Forschungsreisende erlagen, deren Aufbrüche ihrerseits neue Lust auf neue Welten zeugten, die Gedanken beflügelten und im Ergebnis zu teils spektakulären Reiseberichten und von großen Tafelwerken dokumentierten Forschungsergebnissen führten. Unter den aufseheneregendsten die Malerische Reise in Brasilien als Extrakt der von 1821-1825 währenden ersten des

Johann  Mori(t)z  Rugendas ,

brandfrisch lithographiert erschienen ab 1827 bei dem Senefelder-Schüler Engelmann in Paris ( Angebot für ein Exemplar der vergriffenen 1986er Faksimileausgabe auf Anfrage ) und abgeschlossen 1835, als sich der Künstler seit bereits vier Jahren schon wieder auf neuer, seiner „auf Betreiben Alexander von Humboldts unternommenen zweiten und letzten, nunmehr 16 Jahre währenden „großen Amerikareise“ durch dessen Süden befand. Ausgestattet zwar nur mit sparsamsten Eigenmitteln, doch „vertrauend auf seine Kunst und eiserne Willenskraft … Als würde ihm nur wohl unter den anstrengendsten Beschwerden, welche seine stählerne Natur mit wunderbarer Spannkraft ertrug, trieb ihn seine berserkerhafte Reiselust … Ihn befeuerte der Reiz der Neuheit mit täglichen Überraschungen und die Bravour gerade unmöglich scheinende Hindernisse zu überwinden“ (Hyacinth Holland in der ADB).

Solche Faszination erfüllte vor der ersten Reise einen erst 19jährigen als der 5. und letzten Generation der zwei Jahrhunderte umspannenden Augsburger Künstler-Dynastie der Rugendasse (1666-1858). Der nach erster väterlicher Ausbildung an der von diesem geleiteten Augsburger Kunstschule 1817 just in dem Jahr an die Münchner Akademie wechselte, in dem dort Spix und Martius zu ihrer viel von sich reden machenden brasilianischen Expedition (1817-1820) aufbrachen. Und Georg Heinrich Frhr. von Langsdorff (Wöllstein, Rheinhessen, 1774 – Freiburg/Brsg. 1852) als russischer Staatsrat, Geschäftsträger in Brasilien sowie Generalkonsul in Rio de Janeiro (seit 1813, so Diener 1994; Teuscher: preußischer GK dortselbst) nach Heimataufenthalt eben seine Rückkehr dorthin, vor allem aber und nicht zuletzt zwecks Organisierung deutscher Einwanderungen – 90 Auswanderer reisten mit ihm – , eine Reise durchs Land vorbereitete und für diese – einen jungen „Illustrator“ suchte! Und dabei einen Griff tat, den der argentinische Schriftsteller und Präsident der Republik D. F. Sarmiento als Zeitgenosse in die Worte faßte:

„ HUMBOLDT  mit  der  Feder  und  RUGENDAS  mit  dem  Bleistift

sind

die  beiden  Europäer,

die  Amerika  am  lebendigsten  beschrieben  haben “

(zitiert nach Diener 1994).

 

Dies denn die Ausgangssituation dieser

faszinosen  autographen  Dokumentation .

Die Bewerbung

Der in Brasilien und Mexico sammelnde Botaniker („Karw.“) W. F. von Karwinski (1780-1855) unterrichtet die Rugendas von den Langsdorff’schen Absichten und anempfiehlt eine Bewerbung. Daraufhin schreibt

Johann  Lorenz  Rugendas  als  Vater  am  25. 8. 1821

an Wilhelm von Langsdorff, den Bruder, nach Lahr:

„ Aufgefordert durch H: Baron von Carvensky (Karwinski) zu Hurlach und mit der Nachricht bekannt gemacht daß der Herr Bruder … einen jungen Künstler suche, welcher Hochdenselb(en) auf seinen Wissenschaftlichen Reisen nach Brasilien begleiten solle, und daselbst sowohl Landschaftl. Gegenstände als auch Thiere u. Pflanzen zu zeich(nen) u. zu malen, ergriff unser Sohn Moritz den Entschluß … Bald diesem Rufe zu folgen.

„ Mein Sohn Moritz, obgleich erst 19 Jahre alt, aber von starkem großen Körperbau, gesund und von guten Geistesgaben, auch mit vorzüglich(em) Talent zur Kunst, besonders in diesem Fache der Landschaft u. Thiermaler(ei) begabt, sogar schon in denselben bekan(n)t, und was eine Hauptsache ist auch mit einer unbezwingbaren Reise Lust und Idee von höherer Berühmtheit ausgerüstet, wünschte sehr diesem Ruf folgen zu kön(n)en und dürfen.

„ Begreiflich muß … sein, wenn ich, zwar seinem Wunsche … durchaus keine Schranken setzen will, aber als Vater diesen auch das ganze künftige Leben anrührenden Gegenstand mit … Überlegung erhandelt wünschte … Ich bin daher zuvörderst so frei die Frage zu stellen, unter welchen Bedingnissen der H(err): … diesen jungen Man(n) engagieren würde. Zuvörderst … sage ich von meiner Seite diese Meinung daß ein solcher junger Künstler ganz als Gesellschafter … geachtet u. behandelt, auch ihm ein den dortigen Bedürfnissen angemessenes (?) Honorar gesichert werden würde …

„ Kan(n) ich den(n) wen(n) die Sache soweit gedeihn sollte, ruhig und mit gutem Gewiss(en), meinen braven und ich sage nicht zu viel talentvollen Sohn, nach abgeschlossen(en) sichern Contracten (siehe hierzu unter dem 6. 9. 1821) einem so edlen Mann … anvertrauen, und ihm denselb(en) beinahe zur Vertretung der Vaterstelle, in dem unermeßlich (gestrichen) weiten Weltraum, in ein andres Clima, unter and(eren) Menschen, Sitten u. Gebräuchen überlassen, so wird uns Eltern das doch zu gut(er) Beruhigung dienen, daß wir dem Aufschwung unsers Sohnes ernstlich kein Hinderniß in den Weg legten u. daß … uns zugleich auch die Hoffnung nicht verlassen soll, ihn … so gott will unter günstigen Umständen wieder zu sehen.

„ Es ist mir … bekan(n)t daß der H. Staatsrath nach Lahr kom(m)en werden, ich werde daher … Zeichnungen zur gefälligen Einsicht von meinem Sohn übersenden … J. L. Rugendas K. Professor … “

2 Seiten. 23,8 x 19 cm. – Rücksichtlich zahlreicher Änderungen sicherlich der tieferen Einblick gewährende Entwurf, gleichwohl schon mit Empfängerangabe, Anrede, auch Nachsatz und 2 geglätteten Faltungen. – Oben links (eigenhändig?) mit No. 2 beziffert. – Auf Bütten mit typograph. und angeschnittenem figürlichen Wasserzeichen.

Die Verabredung des Contractes

Der dem förmlichen Abschluß vorausgehende Folgebrief von

Johann  Lorenz  Rugendas  als  Vater  vom  6. 9. 1821

an Wilhelm von Langsdorff, den Bruder, nach Lahr:

„ Euer … Schreiben habe die Ehre dahin zu beantworten, daß es mir … angenehm war vorläufig zu vernehmen, daß die Bedingnisse von Seiten deß H: Staatsrath so geeignet sein werden, daß sie sowohl die Existenz meines Sohnes sichern als auch zu meiner Beruhigung sein werden … (Bittet) die Sache bestim(m)t zu erklären damit wir den definitiven Contract je bälder je lieber beendigen kön(n)en … (Davon ausgehend, daß die Sache aber auch) zur Zufriedenheit deß H: Staatsraths zu stande kom(m)en wird, so wird bereits die Vorbereitung zur Reise getroffen, so zwar daß … (der Paß) vielleicht schon in 8-10 Tagen vom Ministerium ertheilt sein wird … “

½ Seite. 33 x 20,7 cm. – Offensichtlich Zweitschrift zum eigenen Verbleib mit allen Formalien bei Einfachfaltung. – Auf Bütten-Tabellenpapier mit I B G-Wortmarke. – Im Oberrand (eigenhändig?) beziffert als No. 4.

Sturm-Zwischenaufenthalt in Bremerhaven

Der „Bremerhavener“ Ereignisbrief von

Johann  Moriz  Rugendas  vom  10. 12. 1821

an den Vater. Er steht am Anfang dessen, von dem ersterer Jahrzehnte später gegenüber Alexander von Humboldt das Résumé zog:

„ Ich sollte und wollte

des  von  Columbus  neuentdeckten  Welttheils  Illustrator  sein,

wollte der Welt zeigen, welche malerischen Schätze die Tropenwelt bietet, da nur wenigen Organisationen gestattet ist, der mühevollen Laufbahn zu folgen. Ich fühlte mich dazu berufen,

der  Pilote  der  Kunst

zu sein auf einem Gebiete, das Andere dann erschöpfend darstellen werden “

(zitiert nach Carl Albert Regnet in Münchener Künstlerbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Münchener Kunstschule, München 1871; übernommen in Deutsches Biographisches Archiv, Fiche 1066, SS. 224-234). Und ergänzend aus gleicher Quelle:

„ ‚Herder schon‘, sagt Rugendas in Notizen, die dem Verfasser vorliegen, ‚stellte die Forderung auf, die Welt mit dem Bleistift zu durchstreifen, – ich nahm die Mahnung fast zu wörtlich‘. “

(Letztere Passage übernahm Hyacinth Holland in der ADB nur teilwörtlich.)

 

„ Im Haven von Gessendorf (sic!), ½ Stunde vor Bremerlehe … Lieber Vater!

„ Noch immer verhindern heftige Stürme und ein garstiger Wind unsere Abreise un: noch fehlt uns An Aussicht auf baldige Abenderung, gegentheils fürchtet man allgemein, daß wir biß Neujahr hier liegen, demungeachtet dürfen wir von großem Glück sagen, daß wir nicht außgelaufen sind, indem man hier Nachrichten über

mehr  den(n)  Hundert  verunglückten  Schiffen

erhalten. Zwey … und noch ein großer Kauffahrer, der

ohne  Menschen,  Masten  u.  Thiere  war  aufgefangen,
aus  den  Papieren  sah  man  daß  er  von  Buenos  Aires  war.

„ Vor unsern Augen sahen wir

2  Schiffe  auf  Strand  laufen.

„ Da Captaine … sah, daß das Wetter sich nicht bessern will, so sind wir vor 10 Tagen in Haven eingelaufen (da sie in Bremen abgegangen waren – siehe Diener, a. a. O., S. 23/1 -, sind sie also umgekehrt), wo wir Cajute Passagiere doch minder Langeweile haben .

„ Wir suchen uns die Zeit so gut wie möglich zu vertreiben. Bey heitrem Wetter lassen wir uns (Menetries – der franz. Zoologe E. P. Ménétriès – u. ich u. der kleine Langsdorf) ans Land setzen, u: schießen Strandvögel, ich habe zu meinem beständigen Gebrauch eine herrliche Doppelflinte erhalten, u. unter Menetries Anweisung bin ich schon ein g(an)z guter Schütze geworden. Bey Regenwetter gebe ich Zeichenstunde, u: führe

eine  Ansicht  der  Stadt  Bremen ,

die ich dort (siehe obige Auslaufanmerkung) nach der Natur mit Bleistift gezeichnet, in Wasserfarben aus, oder ich studiere Portugiesisch u: Französisch. Nach Tisch

wird  der  Mastbaum  erstiegen ,

u: allgemein Schach gespielt. Nach dem Abendtisch wird vorgelesen, wissenschaftliche Gegenstände von H. Staatsrat selbst, Konservations Gegenstände von … . Von unserer künftigen Reise wird sehr häufig gesprochen. Er u: ich freun mich (sic!) unendlich auf dieselbe, es würde mir leid thun daß beynahe noch ein Jahr hingehen soll bevor wir damit starthen (?), nun ich nicht wüßte, daß ich diese Zeit mit Verfertigung von Brasilianischen Baumstudien etc. nützlich ausfüllen kön(n)te. Hauptsächlich wird die Expedition ins Feuer, u: Magelanland gehen, inn… beyde Länder beynahe am wenigsten bekan(n)t u: bereist sind. Brasilien bereisen wir nach den Provinzen, und da wird die Gegend im (sic!) Amazonasstrom uns am längsten fesseln. Insecten u: Pflanzen zeichnet der Herr Staatsrath selber, Vögel Menetries, mir kom(m)en nur größere Gegenstände zu. Ersterer zeichnet Insect. äußerst hübsch, so daß wohl Hörman (sicherlich der u. a. für seine Pflanzen- u. Landschaftsstudien bekannte, doch schon 1½ Jahre zuvor verstorbene Augsburger Maler u. Radierer) & (?) sein fec(i)t (?) an die Seiten gesetzt werden dürften.

„ Wie wir in Haven liefen war beynahe schon unsere g(a)nze Schiffsgesellschaft krank, besonders 2 Tage vor dem einlaufen, wo

das  Schiff  g(an)z  auf  der  Seite  lag

… der Kiel (??) stark ins Wasser tauchte.

Ich  habe  diesen  Brief  besonders  deßwegen  geschrieben
damit  du  nicht  erstmals  durch  Zeitungsnachrichten  geängstigt
über  unser  Schicksal  besorgt  bist .

„ Ich für meine Person war im(m)er wohl ud. führe das beste Leben von der Welt, man könt es ein Schlaraffenleben nen(n)en, da das was wir arbeiten wirklich von keiner Bedeutung ist. Inliegend erhälst du die Zeichnung von En…, die Pflanzung auf der Mandioca vorstellend von En…, die du im Namen des Herrn Staatsr. an Doctor Spix (zu) übersenden die Güte haben wirst. Sey so gut mir baldmöglichst die in meinem letzten bestellten Farben zu überschicken da die Blasen doch im Durchmesser die Größe eines großen Thalers wenigstens haben müßten, so bilden (beim eingeben?) in die blecherne Büchse Winkel, die leer bleiben, oder mit Wolle oder … ausgefüllt werden müßten, statt dessen kön(n)te man Wiener bleistifte von den a 6 … aufrecht hineinstellen, wie z. B. (folgt kleine Skizze; richtige Farben zu erhalten blieb ein spezielles Reiseproblem) … Mache mir doch das Vergnügen sobald wie möglich zu schreiben, damit ich noch vor meiner Abreise Nachrichten von deinem, der lieben Mutter u. Geschwister Wohlbefinden u. Leben erhalte,

sende  deinen  Brief  durch  Consul  Kulenkamp(ff, 
Bremer  Hanseatenfamilie),

der die Briefe richtig an mich bestellen wird. Grüße u. küsse mir dieselben tausendmal … Es vergeht kein Tag, wo ich nicht an euch Lieben denke u. ich habe im(m)er gehofft doch Briefe zu erhalten … Sey also (so) gut nicht mit einem Brief zu säumen u: womöglich auch die Farben bald abzusenden. Empfiehl mich … der graue Mantel sey mein beständiger Gesellschafter auf dem Deck, im Bette überall … Meinen lieben Kunz grüße mir vielmalen, ich habe ihn mir schon oft an die Seite gewünscht, sollte er seinen Posten verändern so schreibe es mir ja … Wirst du, da es nun gewiß ist, daß der Krieg mit den Türken (griech. Aufstand gegen dieselben) eröffnet ist, meine vor meiner Abreise gemachten Skizzen benützen, u: dieselben ausführen oder was bearbeitest du jezt? Ist nicht von München für mich (ein Brief?) gekom(m)en, wen(n) nichts gekom(m)en ist, so tragt (sic!) Spix (siehe oben) allein die Schuld an der Verhinderung. Obgleich mir Empfehlungen nach Rio nicht nöthig sind, da mein Chef mit dem ich alle Ursache habe sehr zufrieden zu seyn (nichtsdestotrotz ging der Contract schon im Folgejahr in die Brüche und führte zu rechtlichem Nachspiel, siehe unter 12. 5. + 8. 12. 1825 unter Einschluß des 9. 8. 1824) mir versprochen hatt mir alle möglich zu machende Bekanntschaften anschaffen wird. Wir harmonieren sehr u: die Art wie er uns behandelt ist sehr hübsch. He(rr) St. hatt sehr viele Gegner, die er sich meist durch die Geschäfte mit … zugezogen. Ob er recht handelt, will ich nicht aus(?)finden, er mag wohl auch sehr gereitzt worden seyn u: fehlerfrei ist niemand. Menetries ist ein guter, gebildeter Mensch, mit dem ich gerne umgehe, er giebt sich sehr viel Mühe mich mit der französischen Sprache bekan(n)ter zu machen, u: ich habe wirklich durch die tägliche Übung schon mehr Gewandheit. Baron Draid (?) ist der größte Narr und Einfaltspinsel der mir in meinem Leben vorgekom(m)en, u: ich wünschte sehr daß er wäre wo der Pfeffer wächst … In allen Zeitungen wird über ihn gespottet und es schadet wirklich unser aller Ruf daß er mit reist. Vorgestern war(en) wir auf einem Ball

in  dem  kleinen  Landstädchen  Bremer  Lehe

wo er in großer Cam(m)erherrn Uniform erschien, er ist ein … .

„ Lebe wohl lieber Vater tausend Grüße an die liebe Mutter, Louise … erfreue bald durch (Nachricht den/deinen dich) liebenden Sohn Moriz Rugendas. “

1 Seite. 30,7 x 23,8 cm. – Verso abgestempelt GEESTENDORF (Geestemünde), adressiert „Seiner ..Wohlgebohren Herrn Herrn Joh. Lorenz Rugendas Königl. Professor der Kunstschule Augsburg“. Gesiegelt mittels Hunde-Petschaft unter Absenderhinweis auf von Langsdorff und mit eigenhändigem väterlichen Vermerk „Dieses Schreiben beantwortete ich sogleich d. 20. Xbr. 1821. durch H: Consul Kulenkamp in Bremen. Lorenz Rugendas.“ – Oben seitlich recto als für zunächst Querschrift vorgesehen nochmals „Im Haven von Gessendorf ½ Stunde vor Bremerlehe“ (heute Bremerhaven-Lehe; Bremerhaven selbst wurde erst 1827 gegründet, sein Hafen 1830 fertiggestellt).

Auf leichtem Bütten mit typographischem Wasserzeichen. – Im weißen Oberfeld (von väterl. Hand?) beziffert als No. 31. Dort auch kleiner Siegelrest. Ein Löchlein ohne Buchstabenverlust, ebenso ein kleiner seitlicher Ausfall. Geglättete Mehrfachfaltung, die leichte Bläßlichkeit ohne Beeinträchtigung der guten Lesbarkeit. – Abbildung

Der Bericht über Ergehen und baldige Heimkehr aus Brasilien

Berichtend über Moritz’ Ergehen und seine näherrückende Heimkehr schreibt

Johann  Lorenz  Rugendas  am  9. 8. 1824

an den Ministerialrat von Wirschinger nach München:

„ Nehme mir die Freyheit hiebei ein Ex. der Abbildung deß hier am Feste deß 16t(en) Febr. (u. bei der … Anwesenheit Seiner May: unseres guten Königs…) errichteten Tempels sam(m)t der Beschreibung zu senden indem ich hoffe daß E. Hoh. es von mir gnädigst anzunehmen belieben werden.

„ Die gütige u. gnädige Theilnahme an dem Schicksal meines lieben guten Sohnes, welche E. Hochwohlg. zeither im(m)er bezeigten erlaubt mir … die Nachricht zu geben, daß Moritz gesund u. Wohl, dato um mit dem Anfang May d. J. auf einer neuen Wissensch. Reise ist welche 10 Monate dauern wird, von Rio (?) in die Bras. Provinz Matto grosso, den(n) zurück über S. Paul(o) (folgen Streichungen) sich (?) erstreckt. Da H: v. Langsdorff (gestrichen: Russische Fonds erhielt – lt. Diener 1994, S.24, hatte Zar Alexander I. die Finanzierung der Expedition zugesagt – so glaubte) … sein … durch den Weltumsegl(er) Otto v. Kotzebue (legte am 2. 11. 1823 in Rio an, umschiffte Kap Hoorn und war 16. 1. 1824 in Talcaguana, Chile) unangenehme (?) Mahnungen erhielt, so verschaffte er sich mit Anstrengung die nöthigen Fonds u. reißt in … … in das In(n)ere. Mein Sohn, aus Ehrgeiz getrieben, da er einmal früher engagirt war, geht nun – ich erstaunte – auch traurig darüber, freywillig u. größte… aus eigen, selbst erworben Mitteln – mit. Bestim(m)t verspricht er im … 25 zurück in Europa, u. in unser liebe Vaterlande zu sein, u. – im(m)er sein erster Wunsch – hofft auf Anstellung. Die zeither bezeugte … … veranlaßt mich die … Bitte zu stellen, mein lieb gute Sohn den(n) das kan(n) ich ihn mit Freude heißen … in dero gütigen Andenken u. Geist im Falle einer künftigen Anstellung oder Vormerkung dazu zu behalten.

„ H. Dir: v. Langer (der am 6. 8. 1824 verst. Historienmaler u. Akademiedirektor Peter von L.) ist gestorben … “

Rugendas sagte im übrigen zu, eine etwaig vor Rückkehr zugeteilte Stelle zusätzlich zu seiner ausfüllen zu wollen. – 2 Seiten. 20,9 x 17,7 cm. – Rücksichtlich zahlreicher Änderungen sicherlich der tieferen Einblick gewährende Entwurf, gleichwohl mit allen Formalien u. zwei geglätteten Faltungen. Oben links (eigenhändig?) in anderer Tinte mit No. 97 beziffert. – Mit zwei angeschnittenen Wasserzeichen.

Promemoria für die Zukunft Johann Moritz Rugendas’

Promemoria „Zur Überzeugung für meinen lieben Moritz“ von

Johann  Lorenz  Rugendas  von  ca.  Ende  März  1825

„ daß ich in der Absicht sein bestes zu befördern nichts versäumte, dem ungeachtet aber fehlschlug.

„ 1825. d. 19: März. reißte ich wegen deß Anstellungsgesuch für meinen Moritz (siehe unter dem 9. 8. 1824) nach München um nach den bereits gemachten Eingaben die Sache auch persöhnlich bei dem hiesig(en) H. Praesid: v. Groven(werth?) u. H. Ministerialrath Wirschinger zu empfehlen, erhielt aber die Anzeige daß H: Me(a?)ttenheimer Director u. Veit Professor geworden seyn, so daß trotz der warmen Empfehlung H: Bau=Director Voitz die Chiganen u. Machinationen deß Professor Zim(m)erman(n) durchgiengen, und ich die Kränkung erfahren mußte, meinen lieben Moritz u. mich zugleich zurückgesetzt zu sehen.

„ H: Ministerialrat Wirschinger versicherte mich übrigens, daß sobald Moritz hier sein würde er gewiß für sein Bestes sorgen würde.
J. Lor. Rugendas / Vater “

1 Seite. 23 x 18,9 cm. – Oben rechts (eigenhändig?) mit No. 112 beziffert. – Auf leichtem Bütten mit angeschnittenem Wappen-Wz. mit complettem Posthorn. – Moritz’ „Bestes zu befördern“ dürfte schlußendlich die Zurücksetzung bewirkt haben. Denn obgleich der Vater selbst durch seinen frühen Abgang schon im Folgejahr eine neue Vakanz schuf, Moritz auch vor Ort war, mied seine „berserkerhafte Reiselust“ (ADB) offensichtlich die Fesseln.

Ankündigung der Rückkehr bis August 1825

Nachdem er sich „auf eigene Faust unter harten Erfahrungen und Entbehrungen aller Art noch drei Jahre in Brasilien herum(getrieben)“ (ADB), kündigt

Johann  Moriz  Rugendas  am  12. 5. 1825

aus Rio de Janeiro dem Vater die Rückkehr an:

„ Mein theurer Vater! / Endlich finde ich Gelegenheit dir mein l. Vater u. Freund von meinem Leben u: meiner unbezweifelt nun nicht mehr fernen Rückkunft Nachricht zu geben. Seit dem 29. Maerz bin ich nach einer 11monatlichen Abwesenheit (siehe unter dem 9. 8. 1824) wieder hier eingetroffen und fand deine theuern Aug. Sept. u. 2. Dec. Briefe mit liebtheuern Einlagen die ich zum Theil bis jetzt nur nicht beantworten wollte, weil ich den Tag meiner Abreise nicht bestim(m)en kon(n)te, u. heute wieder nicht beantworte, da mir

von  dem  Abgang  des  Hamburg ,
an  dessen  Bord  ich  sogleich  diese  Zeilen  überliefern  werde ,

zu spaet Anzeige zu kam. Dieses Blatt soll also nur dazu dienen, dich zu benachrichtigen daß ich den 30 May

mit  der  Königl.  franz.  Krieg  Brigg  Le  Phaon ,
Com.  Perceval

nach Bahia absegle, von wo ich wieder nach Verlauf weniger Tage

an  Bord  der  Fregatte  la  Bajonneuse

nach Braest abgehen werde u. dort mit Gottes Hülfe

im  August  einzulaufen  hoffe,

sende mir daher dahin deine Nachrichten poste restante.

„ Ich schreibe in den 14 Tagen meines hiesigen Aufenthaltes wohl noch einmal und ein ausführlich mit Einlage an werthe Freunde … Lebet glücklich u. wohl biß zum freudigen Wiedersehen deines dich unendlich liebenden und verehrenden Sohnes

Moriz  Rugendas

bald

 Exbrasilianich“

2 Seiten zuzgl. Adresse auf Doppelbogen. 25 x 19,9 cm. – Adressiert „A Monsieur / Monsieur J. L. Rugendas / Peintre et Professeur / 32 / Augsbourg“ mit Besorgungsvermerk „Hamburg d. 4 August 25 J. l. f. Hagedorn“, Stempel HAMBURG 5. Aug. + eigenhänd. väterl. Eingangsvermerk „Erhalten. d. 11. Aug: 1825.“ – Oben links (von väterl. Hand?) mit erst Nr. 116, dann 117 beziffert. – Auf leichtem Whatman-Papier von 1822. – Von dem auf der sonst weißen Adreßseite herausgebrochenem Siegel nur noch Restspur. Hier auch leichter Papierverlust im eingerissenen Rand. Von der Mehrfachfaltung im Brief praktisch nur die beiden Längskniffe kaum störend bemerkbar. – Abbildung

Das Nachspiel „in Sachen von Langsdorf“

In Sachen von Langsdorff schreibt der zurückgekehrte

Johann  Moriz  Rugendas  am  8. 12. 1825

aus Augsburg „An (?)  Eine Höchste Königl. Regierung des OberdonauKreises“:

„ Auf die … mitgetheilte Requisition des Keys. Russ. Etats Rathes Herrn von Langsdorff durch die Keyserlich Russische Gesandtschaft, Contractes Verbindlichkeiten u. Rückhalt einiger Zeichnungen von Seiten des Unterzeichneten betreffend (?) hat derselbe … zu erwiedern = daß er sich wegen der über ihn ausgesprochenen Anklage hinlänglich zu vertheidigen u. zu rechtfertigen im Stande wäre, und in Kürze – sobald nehmlich seine aus Paris bereits unterwegs befindlichen Stücken – bey welchen sich die zu seiner Rechtfertigung dienenden Belege befinden, angekom(m)en seyn werden einreichen würde – Vorläufig E. Exllz. bemerkend daß seine Vertheidigung darin beruhe ‚zu seines Contractes durch ein Schreiben Herrn von Langsdorffs schon seit dem Jahre 1822 enthoben zu seyn, alles der Expedition zugehörige schon abgeliefert habe u. mir übrigens vorbehalten werde, meine Gegenklage gegen erwähnten Herrn von Langsdorff gehörigen Ortes einzureichen.‘ … Moriz Rugendas. “

1 Seite. 34 x 20,8 cm. – Auf grün getöntem festen Bütten. – Mit blindgepr. Wappen-Stempel Königreich Baiern + Gebührenstempel über 3 Kreutzer. – Zweifachfaltung.

Die Angelegenheit betrifft offensichtlich Rugendas’ ursprüngliche Verpflichtung, sämtliche Arbeiten von Langsdorff zu überlassen. Angesichts der schon Jahre zurückliegenden Vertragsauflösung mag dahingestellt bleiben, ob die „Requisition“ nur noch die zudem nur zeitweilige 1824er Gemeinschaft betrifft, die R. lt. obigen väterlichen Briefes vom 9. 8. 1824 indes „freywillig u. größte… aus eigen, selbst erworben Mitteln“ eingegangen war.

Zu diesem Komplex heißt es bei Diener 1994, S. 30, in Noch-Unkenntnis der schon 1822er Trennung weniger schmeichelhaft für Rugendas:

„ Dieser hatte Kopien aller seiner Zeichnungen angefertigt und weigerte sich stets, Langsdorff die Arbeiten zu zeigen … Anfang November 1824 … habe (R.) sich von der Expedition getrennt … und nahm dabei den größten Teil seiner Arbeiten mit. Während Langsdorff knapp 79 Blätter erhielt, nahm Rugendas über 500 seiner Arbeiten mit. Mit dieser Ausbeute schiffte er sich im Mai 1825 nach Europa ein. “

Weiteres hierzu denn bei Diener 1998, Seite 23/II.

Ein Beleg-Gruß von der zweiten Reise aus Valpareiso

Der Reisende läßt das Reisen nicht und fügt der hiesigen

autographen  Dokumentation

zur  1.  Reise

einen Beleg-Gruß von der zweiten an:

Maurice  Rugendas  quittiert  am  3. 9. 1840  in  Valpar(eiso)

auf Spanisch den Empfang eines Geldbetrages auf 1 Seite von 10,3 x 22 cm.

Unbeschadet ihrer Länge und wissenschaftlich-künstlerischen Ausbeute tritt jene zweite Reise hinter der ersten zurück, da bis auf 18 Illustrationen in Sartorius’ „Landschaftsbilder und Skizzen aus dem Volksleben von Mexiko“ (1855) unpubliziert geblieben. Und so bleibt die

„ Malerische  Reise  in  Brasilien “

(fragen Sie nach Exemplar 14 der vergriffenen Faksimileausgabe!) der Jugendjahre, in die anstehende Offerte einen unter Einschluß des Familiären kostbar tiefen Einblick gewährt, das Synonym für den Reisenden, Maler, Zeichner, Stecher und Lithographen

Johann  Moriz  Rugendas .

Der mit der Malerische(n) Reise

„ die Landschaftsmalerei in das Gebiet der Ethnographie eingeführt “

hat, wie von Humboldt in seiner „Pflanzengeographie“ hervorhebt.

„ Leider machte der Künstler … keine schriftlichen Aufzeichnungen … hielt nicht einmal ein ordentliches Tagebuch; was wir von ihm überhaupt wissen, beruht

nur  auf  den  zeitweilig  in  die  Heimath
gesendeten  Briefen … “

(Hyacinth Holland).

Und  diese  Briefe

sind  am  Markt  seit  jeher

sehr , sehr  rar .

Anstehende denn auch seitens des Rugendas-Forschers Pol Briand, Paris, per 21. 8. 1999 als gegenüber Altbekanntem weiterführend eigens qualifiziert:

„ … modern  sources ,

excepting  your  precious  contribution ,

do  not  yield  more  information . “

Zur Literatur siehe die Anmerkungen, insbesondere die Positionen 1 + 11 als den Werkverzeichnissen. Für Herbst 1999 vorgesehen eine Buchpublikation in São Paulo mit, u. a., Erstveröffentlichung von Bildern (Slg. Thurn u. Taxis) + Zeichnungen aus Brasilien sowie aus dem hier vorgestellten Briefblock zur 1., seiner brasilianischen Reise schlechthin. Abrundend vorstellend Rugendas aber auch als Historienmaler.

Angebots-Nr. 28.302 / verkauft

Zuletzt aktualisiert am 31. Mai 2017.

  1. Andrea Teuscher, Die Künstlerfamilie Rugendas 1666-1858 (Graphisches Werkverzeichnis gelegentlich der großen Rugendas-Ausstellung in Augsburg), 1998, S. 243.
  2. Pablo Diener, Rugendas – Imágenes de México/Bilder aus Mexiko, Ausstellungskatalog 1994. – Kurzform: Diener 1994.
  3. Siehe Monteiro und Kaz, Expedição Langsdorff ao Brasil, 1821-1829, 1988, Bd. I: J. M. Rugendas.
  4. Ein solcher wurde denn auch bereits am 18. oder 19. 9. 1821 in Lahr geschlossen; siehe die farbige Abbildung einer von Sohn und Vater Rugendas unterzeichneten Kopie-Beglaubigung seitens des Augsburger Stadtgerichts vom 1./2. 10. 1821 bei Diener 1998[11], S. 124, und dessen mit 18. 9. gemachte Datumsangabe nebst Fundstelle S. 21/II. Nach demselben, 1994, S. 24, wurden eine Vergütung von 1000 Francs p. a., Arbeitsgerät + Lebensunterhalt außer Kleidung vereinbart, wogegen „alle während der Reise entstandenen Werke an Langsdorff“ auszuhändigen waren und R. ohne dessen Einwilligung auch nichts veröffentlichen durfte.
  5. Gemeint ist offenbar der Wiener Landschafter Thomas Ender (1793-1875), der 1817 den Legationsrat Baron von Neveu im auch wissenschaftlich etablierten Gefolge der österreichischen Erzherzogin Leopoldina nach Brasilien zu ihrem Gemahl begleitete, der als Dom Pedro I. 1822 das brasilianische Kaisertum begründete. Dieser Gesellschaft schloß sich eine von der bayerischen Regierung ausgerüstete naturwissenschaftliche Expedition um Spix und Martius an, derer schon eingangs als Münchner atmosphärischer Fernwehbazillen gedacht ist. Wenn Diener 1998, S. 24/I, von Ender als dem „illustrador de la expedición de J. B. von Spix y C. F. P. von Martius“ spricht, so ist zusätzlich zugleich zu berücksichtigen, daß dessen „angegriffene Gesundheit (ihn bereits) nach Verlauf (nur) eines Jahres (zwang) wieder von Rio Janeiro zurückzukehren“ (siehe ADB VI, 106, auch, für Spix-Martius, XXXV, 231). Rugendas’ offensichtlich fehlerhafte, auch in sich nochmals unterschiedliche „En...“-Schreibweise deutet darauf hin, daß ihm dessen Name nicht geläufig war. Dagegen Diener, fortfahrend: „Es probable que Rugendas haya visto las illustrationes de Ender incluso antes de su viaje …“. Und zum stiltechnischen Nebeneinander: „La conceptión artistica de estos estudios diffiere radicalmente del sentido coloristico de la obra austriaco Thomas Ender …“.
  6. Diener: Langsdorffs „Facenda Mandioca“ nördlich von Rio. Benannt offensichtlich nach dem bitteren Maniok- oder Kassawastrauch, Manihot utilissima Pohl.
  7. Spix und Martius waren 1820 vor ihrer Rückkehr nach München, so Diener, Gäste „Manioca’s“.
  8. Im Gegensatz zu Rugendas’ zwischenzeitlichen Eigen-Unternehmungen nahm die Langsdorff-Expedition mit dieser Reise überhaupt erst ihren Anfang, nachdem die übrige Gesellschaft offensichtlich wegen der ausgebliebenen Mittel seit ihrer Ankunft in Rio, März 1822, auf Manioca verblieben war, unterbrochen nur von Ausflügen in die Gegend Rios, so Diener 1994, SS. 26 ff., bei noch Ungenauigkeiten bezüglich einiger Rugendasscher Details bis hin zu der Rugendas zwangsläufig belastenden Fehlannahme, dessen Verbindung zu L. habe noch bis Anfang November 1824 bestanden, als R. nun auch seine für den Expeditionszweck auf selbständiger Basis wieder aufgenommene Begleitung abbrach. Denn tatsächlich war R. in gedanklicher Übereinstimmung mit anstehender Briefaussage und deren Konkretisierung im Schriftsatz vom 8. 12. 1825 bereits 1822 aus Langsdorffs Diensten ausgeschieden, wie denn auch von Diener 1998, S. 23/II, aktualisiert: „En octobre de 1822, en el curso de una discusión con su jefe, manifestó la intención de abandonar la expedición …“. Und keineswegs auch war er nach der neuerlichen November-Demission sogleich nach Rio zurückgekehrt. Ausweislich des Briefes vom 12. 5. 1825 traf er dort erst am 29. März, und zwar „nach einer 11monatlichen Abwesenheit“ wieder ein.
  9. Der Historienmaler Clemens v. Z., seit 1815 Professor an der Kunstschule Augsburg u. als solcher für einen etwaigen Fortgang nach München schon unter dem 9. 8. 1824 erwähnt; seit 1825 dann Akademieprofessor in München. Mit Todesjahr 1869 überflügelte er auch diesbezüglich Vater + Sohn Rugendas sichtbar.
  10. Lt. Mitteilung Pol Briands, Paris, vom 29. 6. + 14. 8. 1999 + 19. 11. 2001 zweifellos die französische Brigg Le Faune (300 t., 8 c.) unter dem Kommando Leutnant Alexandre Parseval-Deschênes’ (1854 Spitzenernennung zum Amiral de France), die auf Grund dessen persönlichen Berichts in den Archives de la Marine, Vincennes, vom 8. April 1824 bis 13. 5. 1826 mit Basis Rio der Brasilien-Station der französischen Marine diente. „Anchored in Rio from April 23rd (1825), the brig sailed to Bahia on June 4th, arrived there on June 15th …“ Mangels Kais und Werften in Rio ankerten die Schiffe damals in der Guanabara Bay, sodaß Rugendas vor seiner Einschiffung den Namen nur vom Hörensagen gekannt haben mag.
    Le Faune hatte Order, in Bahia von der nach Frankreich zurückgehenden und solchermaßen von Rugendas gebuchten Bayonnais – siehe unter 11 – Proviant zu übernehmen, doch infolge der Überholung ihrer Takelage konnte Le Faune erst verspätet auslaufen und verfehlte in Bahia die Bayonnais, die bereits am 27. Mai nach Rio abgegangen war, wohin auch Le Faune auf Grund vorgefundener Order noch gleichen Tages wieder zurückging. Damit hatte sich Rugendas nach einer anderen Fahrgelegenheit umzuschauen, siehe 11.
  11. Lt. Pol Briand, zuletzt speziell hierzu am 26. 1. 2000, kann auch Rugendas’ „la Bajonneuse“ ein nur vom Hörensagen zu Grunde liegen. Es handele sich um die Le Bayonnais, die 1817 zwar nur für die Tramp-Schiffahrt gebaut war, umgerüstet später aber auch die Atlantikroute befuhr. Denn die gleichlautende Korvette La Bayonnaise scheide als erst am 2. 6. 1825 in Cherbourg vom Stapel gelaufen aus. Gleichwohl aber kommt auch die ansonsten sich ganz ideal einpassende erstere nicht in Frage, da sie tatsächlich erst weit später nach Europa aufbrach, wo sie am 13. 12. 1825 in Brest eintraf, als Rugendas ausweislich hiesigen Schreibens vom 8. 12. schon längst in Augsburg war. „Parceval proposed to Rugendas to take him on Le Faune to Bahia, where he would be able to take passage back to Europe aboard Le Bayonnais. But this plan could not be completed.“ Indes „The dates of letters sent by the French Navy Commander and by the Consul in Rio prove that many other ships were available …“.
    Dem war, so Briand am 19. 11. 2001, tatsächlich so, doch erst nach 48tägigem Aufenthalt, als er an Bord des in Le Havre beheimateten und in Bahia nur allmählich Zucker und Leder aufnehmenden Kauffahrteischiffes Louise (259 t., 2 c.) unter Kapitän Le Bastier de Rivry am 3. August nach Europa aufbrach und am 25. September Le Havre erreichte, wo er mitsamt sechs anderer Passagiere drei Tage später von Bord gehen konnte. Als persönlicher Gast des Kapitäns und auf dessen Kosten erschien er nicht in den Schiffslisten.
  12. Pablo Diener, Rugendas 1802-1858 (Monographie + Werkverzeichnis der Gemälde und Zeichnungen), 2. Auflage, 1998 (die 1. erschien 1997). – Kurzform: Diener 1998.