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Thomas Baston –
seltener Pionier der englischen Marinemalerei
Hier mit dem spektakulären Seesieg vom 13. August 1704
in der Schlacht von Málaga ?
Die Verbrennung einer feindlichen Flotte
in lavierter Federzeichnung auf Pergament
als Feinstes vom Feinen
Baston, Thomas. Furit Imissis Vulcanus habenis, Transtra per et remos et pictas abjete puppes. Verbrennung einer Flotte durch Granaten britischer Schiffe. Vorne links ein brennender Dreidecker mit gekröntem Löwen als Galionsfigur. Auf dem Wasser zahlreiche teils mit mit Musketen bewaffneten Seesoldaten besetzte Kutter. Grau lavierte Federzeichnung auf Pergament. Unten rechts bezeichnet: TBaston F. 1720. sowie aus Vergil’s Æneis wie oben. 182-191 x 283 mm.

Sehr fein ausgeführte , atmosphärenreiche Arbeit Baston’s
zu Blatt 21 der „Twenty-two Prints of several of the Capital ships of his Majesties Royal Navy with Variety of other Sea Pieces after the Drawings of T. B.“, die 1721 „unter seinem Namen nach seinen Zeichnungen, aber von verschiedenen Künstlern gestochen“ bei T. Bowles in London erschien und erst Thieme-Becker III, 27 mit 22 Blatt komplett bekannt war. Nagler I, 317 kannte Baston als Zeichner und Stecher, aber nur 9 Blatt der auch im Scheepvaart Museum fehlenden, erst in jüngster Zeit mit US$ 20.000 hochbezahlt verhandelten Folge.
In seinen Lebensverhältnissen weitgehend unbekannt, sind andere Arbeiten auch der neuesten Literatur – AKL VII, 434 – nicht bekannt geworden:
„ Artist working in the first quarter of the 18th century. In the reign of George I, Thomas Bowles published an important set of prints, ‚Twentytwo PRINTS of several of the CAPITAL SHIPS OF HIS Majties ROYAL NAVY with Variety of other SEA PIECES after the drawings of T. Baston‘. The National Maritime Museum, Greenwich, has two drawings by him. This compiler knows of no oil paintings by him “
(Archibald, Dictionary of Sea Painters, in der den Druckfehler „un“important korrigierenden 3. Ausg., 2000).
Ergänzend hierzu Chatterton, Old Ship Prints, 83 f., nebst Tafel:
„ During the first quarter of the eighteenth century there flourished Thomas Baston, who deserves our attention because he has left us some very spirited illustrations of English men-of-war … some of his pictures were engraved by … Kirkall, and others … The detail of these ‚wooden walls‘, with their great topsails and their picturesque poop lanterns, is
most valuable if we wish to study
the ships of the period immediately preceding 1765 ,
the date when Nelson’s Victory was launched …
Such details as the running and standing rigging, the pennants, the stowage of the anchors … which immediately attract our attention … Certainly such prints … give a life and meaning to eighteenth-century naval history, for they help us to visualize the manner in which fleets went into action, or fought their way across the ocean under conditions that we can scarcely envy. “
Auf Grund neuerer Nachforschungen scheint hiesiger Baston indes um 1665/70 in Irland geboren und Vater eines 1691 in Allhallows, London Wall, als Sohn von Thomas (I) und Mary Baston getauften Thomas (II) zu sein. Weitere Dokumente belegen die Existenz eines zumindest in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts in großen finanziellen Schwierigkeiten lebenden Marinezeichners Thomas Baston, bei dem es sich altersmäßig somit um hiesigen Th. I handeln dürfte, der schließlich die Jahre von 1710 bis wenigstens Ende 1716, wahrscheinlicher bis um 1720, in Schuldhaft verbrachte. Dies denn in bemerkenswerter Übereinstimmung mit der Spanne in den Datierungen zwischen anstehender und der mit 1710 datierten früheren von zwei weiteren hier präsenten Zeichnungen (die andere von 1722) sowie dem 1721 einsetzenden Erscheinen der Folge. Für 1728 ist in Allhallows abschließend noch die Geburt eines Thomas III als Sohn von wiederum Thomas und Mary Baston belegt. Siehe hierzu wie auch zu der gleichfalls in Allhallows für vor Mitte 1691 vermerkten Heirat eines (weiteren?) Thomas Baston mit der begüterten Witwe Ann Grace sowie obiger Rayner-Kopie ausführlicher Charles H. Wallace, Thomas Baston: Pioneer Marine Print Designer.
Künstlerisch gehört Baston zu den
frühesten Pionieren einer eigenständigen englischen Kunstszene
zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Und es sind Baston und der offenbar etwa eine halbe Generation jüngere Peter Monamy (1681-1749), die nicht allein die Nachfolge des zuletzt in London tätigen, 1707 verstorbenen jüngeren van de Velde antreten, sondern eine im politisch-wirtschaftlichen Umfeld gesicherter Vorherrschaft auf allen Meeren und eines wachsenden Kolonialreichs zunehmende bürgerliche Kunstnachfrage befriedigen und damit die Marinemalerei populär machen, Baston im Bereich der Grafik, Monamy mit Ölen. Letzterer übrigens gleichen Tages von der Zunft der Maler freigesprochen wie Sir James Thornhill, der spätere Schwiegervater William Hogarths, mit dem Monamy dann befreundet war und gleich dem er – kurz vor seinem Tode – mit einer heute allerdings verschollenen Marine zur Ausstattung von Captain Corams Findelhaus beitrug.
Das von Chatterton wiedergegebene dreizehnte Blatt der Folge – gestochen von Sartor – mit Wappen und Widmung für die kgl. Offiziere anstelle des Vergil-Verses.

Mit dem zugehörigen zeitgenössischen Kupfer im Gegensinn
von Elisha oder Elizabeth Kirkall (Bezeichnet: 21 / TBaston delin. / E. Kirkall Sculp., ansonsten wie die Zeichnung nebst Zusatz „Vergil“. 21,7 x 31,7 cm). Ersterer (Sheffield um 1682/92 – Whitefriars, London, 1742), „einer der besten frühen Schabkünstler“ (F. B. Cockett, Peter Monamy and His Circle, S. 87), arbeitete nach Baston das kgl. Schiff „Britannia“ in Schabmanier. Kirkalls 1732er Raubdrucke von Hogarths ‚Harlot’s Progress‘ waren übrigens Anlaß zum Urhebergesetz, dem sogenannten Hogarth Act, drei Jahre später. Seine Gattin Elizabeth (bis nach 1707) stach lt. Walpole u. a. vier Seestücke; vgl. Thieme-Becker + Nagler).
Eine nur in Details variierte, gleichwohl im Wellenschlag deutlich schematischere, gegenüber Kirkalls Kupfer seitenverkehrte Kopie anstehenden Sujets erschien wohl 1738/39 (Clayton, The English Print), jedoch nicht vor 1735 unter dem Namen eines hier sonst nicht nachweisbaren William Rayner als
„ The Engagement of the Confederate Fleet …
on the thirteenth of Augt. 1704 , off of Málaga “.
Es mag dahingestellt bleiben, ob Rayner lediglich das verfügbare Motiv eines überwältigenden englischen Seesieges für seine Propagandazwecke – Anheizung eines allgemeinen Kriegsverlangens im Vorfeld vom „Krieg um Jenkins’ Ohr“, der dann in den österreichischen Erbfolgekrieg überging – entsprechend kopierte und betitelte, oder ob Baston in anstehender Zeichnung tatsächlich die 16 Jahre zurückliegende Schlacht von Málaga verarbeitet hat.

Die Zeichnung dreiseits knapp außerhalb der Einfassungslinie geschnitten und lediglich unten mit gleichmäßigem Rändchen von 3-4 mm. Die von der Handwärme des Künstlers herrührende minimale Wellung – vgl. Meder, Handzeichnung, 169 – kaum wahrnehmbar und lediglich im Untertextfeld zu einer Quetschfalte verlaufend. Im übrigen hier und da ganz geringfügig berieben.
Das Kupfer in frühem, kräftigem Abdruck auf besonders schwerem Bütten mit großem Lilienwappen mit Krone. Dessen überaus üppiger Papierrand in den Außenpartien tlw. zeitspurig und mit etlichen säurefrei hinterlegten Randeinrissen.
Von absolut unübertroffenem Reiz für jede Sammlung
die Gegenüberstellung von Ursprungszeichnung und Kupfer :
Einzig die Zeichnung kann durch ihre Unmittelbarkeit den ganzen Künstler offenbaren. In einem Maße wie es selbst beim Mezzotinto nicht erreichbar ist, können hier mit Feder und Lavierung neben klaren Linien auch noch feinste Schattierungen erzielt werden. Viele Details erscheinen auch in der durchgeführten Zeichnung noch skizzenhaft und solchermaßen den Blick freigebend für das, was dem Zeichner wesentlich war.
Der an das Korsett der Linie gebundene Stich dagegen kann – unbeschadet seines durchaus eigenen Reizes – zarte Schattierungen nur sehr bedingt vermitteln, andere, in der Zeichnung nur skizzierte Details treten dafür vielfach sehr viel stärker in den Vordergrund als dies ursprünglich gedacht gewesen sein mag.
So auch hier. Erscheinen die Flammen der brennenden Schiffe im Kupfer nahezu gegenständlich, die Einzelheiten der Schiffe in scharfer Klarheit, so vermeint man auf der Zeichnung die flimmernde Hitze hautnah zu spüren.
Solche Gegenüberstellung indes
– bedingt sowohl durch den Unikatcharakter einer Originalzeichnung als solche wie auch die häufige Unauffindbarkeit –
eine nur äußerst selten sich bietende Gelegenheit .
Zumal bei Pergamentzeichnungen. War Pergament vor Aufkommen des Papiers noch das nahezu ausschließliche Material für Zeichnungen aller Art, so setzte etwa im dreizehnten Jahrhundert entsprechend der stetig verbesserten Qualität der Papiere eine zunehmend rigorosere Verdrängung ein, die dem Pergament vornehmlich die Rolle für stark beanspruchte Architekturentwürfe und ähnliches überließ. Erst
„ Im 17. Jahrhundert erfuhr es eine Art Neubelebung. Nicht nur, daß man fein gezeichnete Kompositionen, Genredarstellungen und Stilleben darauf ausführte … Sie wurden auch durch zarte, farbige Lavierung auf Bildwirkung gebracht “
(Meder, Die Handzeichnung, S. 171 f.).
Hiesige solchermaßen bereits am Ende der namentlich von den Niederländern getragenen Neubelebung stehend und, neben der besonderen Wirkung, wohl auch auf eine dem Virgil’schen Vers entsprechende Dauerhaftigkeit bedacht. In ihrer Gegenüberstellung mit dem zeitgenössisch gearbeiteten Kupfer – seitenverkehrt durch die direkte Übertragung auf die Platte – aber nunmehr
eine absolute Bereicherung nicht nur jeder maritimen Sammlung .
Und, wie gesagt,
absolut unübertroffen der von solcher Gegenüberstellung
Ursprungszeichnung – Kupfer
ausgehende Reiz für den Betrachter .
Und für das Selbstverständnis des Hausherrn .
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