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20.  Oktober  1401 :

Vor  600  Jahren  lief  Störtebeker  zum  letzten  Male  –

zugunsten  seiner  Spießgesellen

Klaus Störtebekers Gefangennahme bei Helgoland. Wildes Kampfgetümmel unterm Großmast und auf den Unterwanten. Holzstich nach Johannes Gehrts (St. Pauli/Hamburg 1855 – Düsseldorf 1921) bei Adolf Cloß (1840 Stuttgart 1894). (1880/81.) 24,7 x 18,5 cm.

„ In der Zwischenzeit war Ostfriesland aber noch von einem ganz besonderen Unheil betroffen worden, dessen wir hier kurz gedenken wollen. Die Söldner, welche von den Hansestädten zur Bekämpfung der nordischen Reiche geworben und zuerst mit der Unterstützung und Verproviantierung des von der Königin Margarete belagerten Stockholm beauftragt worden waren, hatten sich nach Beendigung dieses Kampfes nicht aufgelöst, sondern sich in Seeräuber umgewandelt. Sie machten unter dem Namen der ‚Victualien-‘ oder ‚Vitalienbrüder‘ sich allen Schiffen und allen Küsten furchtbar; sie nannten sich selber ‚Gottes Freund und aller Welt Feind‘, oder auch ‚Liekedeelers‘, d. i. Gleichteiler, weil sie die Beute zu gleichen Teilen unter allen verteilten, und trieben das Unwesen so arg, daß endlich die Hanse sich mit den übrigen Uferstaaten zu ihrer Ausrottung verband. Dies gelang indessen nicht vollständig. Sie wurden zersprengt, aber der Hauptteil vermochte sich in der Nordsee zu erhalten und erwählte die Küsten Ostfrieslands zum Aufenthalt. Die Häuptlinge hielten es freiwillig oder gezwungen mit ihnen und öffneten ihnen ihre Häfen, ließen sie Burgen bauen und beteiligten sich auch wohl an den Raubzügen und der Beute. Ihre ersten Anführer waren die beiden, noch heute an allen Nord- und Ostküsten genannten Klaus Störtebeker und Goedeke Michael. Von ihnen kündet das Volkslied:

Johannes Gehrts, Klaus Störtebekers Gefangennahme bei Helgoland

‚Störtebäk  un  Goedmichel
Roeften  beid  to  glieke  Deel
To  Water  un  to  Lande .
Se  roeften  so  lang , dat’t  Gott  verdroet ,
Da  worden  se  to  Schanden .‘

Der Hansebund erhob sich von neuem gegen sie und verfolgte sie auch bis in ihre letzten Zufluchtsplätze, er brach ihre Festen, zerstörte ihre Schiffe und richtete die Räuber, so daß die Reste der Schaaren davonflohen und sich zerstreuten, – die beiden genannten Führer zogen mit den Ihren weit davon, bis zum ‚heidnischen Sultan‘. Aber dort bekamen die wilden Bursche Heimweh nach der ‚Westsee‘ und den reichen ‚Kaufleuten von Hamburg‘ und kehrten auch zurück und fingen auch gleich vor der Weser ein Schiff mit Wein, und sie tranken und jubelten und waren guter Dinge. Allein ihre Heimkehr war den Hamburgern verkundschaftet worden. Sie fuhren mit drei Schiffen hinaus, und als sie gegen Neuwerk kamen, fiel der Nebel, sie ersahen den Feind nahe vor sich und begannen den Kampf.

Die Vitalier hielten tapfer stand, sie hörten auf zu trinken und ließen ‚die Büchsen klingen‘. Drei Tage und drei Nächte kämpfte man fort, und erst als das Hamburger Schiff, ‚die bunte Kuh von Flandern‘ mit ihren ‚stahleisernen Hörnern‘ das Vorkastell des Raubschiffes einstieß, unterlagen sie und der Rest ergab sich und wurde nach Hamburg geführt.

Am nächsten Morgen schon wurden sie verurteilt und zogen unter großer Teilnahme und Klage der ‚Frauen und Jungfrauen‘, in ihren besten Gewändern, Trommel und Pfeifen voran, zum Grasbrook, um gerichtet zu werden. Sie standen in langer Reihe. Und da schaute Störtebeker sie alle noch einmal an, und da er sie ‚sehr lieb hatte‘, so tat er seine letzte Bitte dahin, daß man diejenigen begnadigen solle, an denen er, nach seiner Köpfung noch vorbeilaufen könnte. Das bewilligte man ihm und da, berichtet die Sage, nahm der gewaltige Mann alle Geistes- und Leibeskraft zusammen, und als der Kopf gefallen war, lief der Leib wirklich davon, bis zum fünften Mann. Der Scharfrichter, er hieß Rosenvelt, bekam Angst, daß alle Schelme gerettet werden könnten, und warf dem laufenden Körper einen Klotz zwischen die Beine, so daß er fiel und nun liegen blieb. – Das geschah im Jahre 1402 (recte 20. Oktober 1401). “

(Edmund Höfer, Küstenfahrten an der Nord- und Ostsee, 1880/81). – Zum Datum siehe ADB und Lächler-Wirz, Schiffe der Völker.

„ Das von Gehrts illustrierte Themenspektrum erstreckte sich von germanischen Heldensagen, Marine- und Piratengeschichten bis zu Reiseabenteuern und Märchen “

(Sabine Schroyen, Allgemeines Künstler-Lexikon LI, 45 f.).

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